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Ein Nachruf

 

Ein Nachruf auf unseren Altlandeshauptmann Dr. Josef Krainer

(Versuch einer Würdigung eines ehemaligen Schülers des Gymnasiums Oeverseegasse, Graz.)

 

Als Autor dieser Würdigung möchte ich - und darf auch - für mich in Anspruch nehmen, dass meine Bekanntschaft und bescheidene Freundschaft mit Josef/Joschi Krainer zurückreicht bis in den Herbst 1936, also 80 Jahre, da wir gemeinsam mit einigen anderen Buben aus unserer Wohngegend in die erste Klasse der Volksschule St. Andrä eintraten, wo wir vier Jahre miteinander „Freud und Leid“ teilten und das Wissen für einen Übertritt ins Gymnasium erwarben!

Es waren sechs Schulkameraden - mit Josef Krainer - aus St. Andrä, die dann im Herbst 1940 in die erste Klasse des Gymnasiums wechselten und dort über die Jahre hin bis in die obersten Klassen - während des Zweiten Weltkrieges und später nach Kreigsende - unter notdürftigsten Umständen den Unterricht in halbdemolierten Klassenräumen erlebten, und die sich trotz aller Unbill wie Kälte und schlechtem Lehrmaterial sehr viel an brauchbarem Wissen für ihre künftigen Berufe aneignen konnten!!

Eines hat uns im Klassenverband ganz besonders stark zusammengeschweißt: Im Februar 1944 musste die „4.Oberschule für Jungen“, so hieß unser Gymnasium damals, nach Admont umquartiert werden, wo wir auf lange Monate Unterkunft in zwei requirierten Hotels fanden. Aufgeteilt in Stuben mit sechs Stockbetten aus einfachen Holzgestellen mit Drahtuntersatz, teilten Joschi Krainer und ich mit vier anderen Kameraden die Stube „Narvik“ Nr 36 im zweiten Stock des „Hotel Post“.

Das verbindet, weil es um Gemeinsames und ums Teilen ging, auch um Zusammenhalt und gegenseitige Hilfeleistung untereinander. Der Admontaufenthalt hat die Gemeinschaft dieser vierten Klasse mit ihren 35 Schülern über die Schulzeit hinaus gefestigt. Noch mehr dazu beigetragen hat aber für uns Fünfzehnjährige der im Oktober und November 1944 angeordnete „Stellungsbau“ für den „Ostwall“ nahe Strem im Burgenland.

Dort hat diese junge 5. Klasse in knappen fünf Wochen einer großen Bewährungsprobe standhalten müssen. In Zehnerschaften aufgeteilt hatten wir jeweils auf zehn Metern Länge - vier Meter tief und acht Meter breit - den „Panzergraben“ auszuheben, Joschi Krainer war da schon sozusagen zum Zehnerschaftsführer für unsere Meter Graben geworden.

In Admont wie in Strem zeigte er bereits sein organisatorisches Geschick, wusste eine kleine Zahl von Gleichgesinnten um sich zu scharen, und bewies durch seine Umsicht und Hilfsbereitschaft, sich für andere einzusetzen, dass in ihm ein Mensch heranreifte, der einmal Größeres leisten würde.

Während der Studienzeit trennten sich unsere Wege, er studierte Jus, ich Sprachen, und so hatten wir uns für längere Zeit aus den Augen verloren, haben uns aber in späteren Jahren, als sich die regelmäßigen Maturajubiläen einstellten, immer wieder getroffen.

Von da an gab es auch Begegnungen in Kunstaustellungen, bei Schuljubiläen, anno 1977, Eröffnungen von Zubauten an unserer Schule, sowie bei zwei besonderen Erinnerungsfahrten: Die eine ging nach vierzig Jahren, 1984, nach Admont, wo die ehemaligen „Admonter“ aller Klassen teilnahmen, die zweite gemeinsame Fahrt führte unsere Klasse nach 50 Jahren, 1994, wieder an die Stätte harter Arbeit am Stellungsbau zu den ehemaligen „Grabungsstätten“ in Strem.

Jener Abschnitt, an dem wir „schwer geschuftet“ haben und wo einige sehr krank wurden, ist heute, nach 70 Jahren, noch deutlich an seinen Vertiefungen zu erkennen!

Anlässlich der Hundertjahrfeier 2002 unseres Gymnasiums kam es zwischen Josef Krainer und mir zu einem intensiven Gedankenaustausch. Erinnerungen aus frühester Schulzeit wurden wach, und ich erstaunte ein übers andre Mal baß ob seines brillanten Gedächtnisses.

Bei Anlässen - Ehrungen von großen Steirern - gab es später noch mehrmals ein Wiedersehen in der Burg. Der Briefkontakt blieb aufrecht.

Es war der grauenhafte Krieg und die karge Nachkriegszeit, die unsere Klassengemeinschaft so stark und dauerhaft geprägt hat! Ich weiß, dass ihm seine Zeit an unserer Schule wertvoll war, wie auch vielen anderen aus unseren Maturaklassen 1948/49. Sie alle haben höhere und hohe Positionen im öffentlichen wie im Wirtschaftsleben sowie in der Medizin erreicht.

Es ist für mich als Autor dieses Nachrufs selbstverständlich, dass man einem Menschen wie er es war, ein Leben lang in aufrichtigem Gedenken verbunden bleibt.

Requiescat in Pace!

Dr. Erich Krautsdorfer (Maturajahrgang 1948)